9. Februar 2007

PERRY RHODAN-Extra 4: Zum Einlesen bei Eins A Medien

Werkstattbericht von Wim Vandemaan

Ab 9. März 2007 ist das neue PERRY RHODAN-Extra Nr. 4 mit dem Titel »Das Andromeda-Monument« im Handel erhältlich. Der Roman stammt aus der Feder von Wim Vandemaan, ebenso wie die exklusive Kurzgeschichte »Leviathan 3.0«. Als besonderes Extra wurde diese Kurzgeschichte vom Autor eingelesen und liegt auf einer Audio-CD dem Heft bei. Nachfolgend der Bericht des Autors über seine Reise nach Köln und die Aufnahmen im Studio von Eins A Medien.

Am 22. Dezember 2006 war Winteranfang. Ich fand mich, vom prächtigen Kölner Hauptbahnhof kommend, im Altengrabengässchen 1a ein. Hier residiert Hans Greis mit seinem Studio Eins A Medien.

Hausnummer 1a, 1a Medien - klar, das leuchtete mir ein.

Altengrabengässchen, Nonnenwerthstraße, Mönchsgüterweg, Bischofsgartenstraße, Klosterfraugasse, Dreikönigenstraße, Heilig-Geist-Straße - solche geballte Heiligkeit gibt es nur in Köln. Niemand würde sich wundern, wenn um die nächste Ecke ein paar Bischöfe spaziert kämen, die lauthals Hosianna singen. Wenn dereinst dem Jüngsten Tag das erste Stündlein schlägt, werden die Heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Baltasar bekanntlich nicht etwa im Morgenland aus ihren Gräbern steigen, sondern in Köln. Denn hier - genauer: im Dom zu Köln - liegen sie begraben.

Wollen wir hoffen, dass sie zu ihrer Auferstehung nicht so ein nasskaltes Wetter erwischen wie ich.

Ich war nach Köln gekommen, um im Studio von Hans Greis den Text »Leviathan 3.0« einzulesen.

Der Zug war, wie es so seine Art ist, pünktlich eingetroffen; ich hatte noch Zeit, den kleinen Chinesen beim Dom zu besuchen - also: nicht das Restaurant, sondern den besseren Schnellimbiss.

Weder die drei weisen Sterndeuter noch ein einziger Bischof hielten sich im Restaurant auf. Deswegen bekam ich problemlos einen Tisch. Bei Curry Hühn mit 7 Geheimniskeiten und Molzbier las ich mich ein. Das Bier war kühl, das Hühn war heiß, Herr Greis würde zufrieden sein.

War er nicht. Zunächst einmal hatte er allerlei Stolperfallen im Text entdeckt und handschriftlich entschärft. Jede Korrektur saß. Meine Schludrigkeit wurde wieder einmal bestraft.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Natürlich hatte ich den Text daheim etliche Male probegelesen, aber noch nie laut und mit voller Stimme. Diese Grausamkeit hatte ich ihm erspart, aber, wie sich zeigte, weder zu seinem noch zu meinem Vorteil. Beim Lautlesen steht jeder Text nackt da, alle Schwächen werden erbarmungslos enthüllt. Also wurde noch beim Einlesen immer wieder unterbrochen, diagnostiziert, behoben, geglättet, ausgebessert.

Mit Sabine Kropp hatte der Text schon eine strenge Redaktion durchlaufen: Hier funktioniere die Pointe nicht, dort werde eine verschenkt. Warum ich so anstandslos verraten habe, was der Spielzeugmacher da für seinen terranischen Gast produziere? Blöde Verschwendung einer Möglichkeit, spannungsbogenbautechnischer Overkill …

Hans Greis zeigte noch ganz andere Defizite auf. Missverständliche Betonungen. Sätze, die durchzuhalten man eine zweite Lunge benötigt hätte. Und immer wieder: zu schnell gelesen!

Ich hatte ursprünglich überlegt, den Text hier und da mit einem Hauch von Musik zu unterlegen, am liebsten mit einem verrauchten Stück von Tom Waits. Nicht, dass es inhaltlich gepasst hätte, aber die Vorstellung gefiel mir: Ein Raumfahrer des frühen rhodanesischen Zeitalters lauscht in seiner Space Jet Tom Waits, während er durch einen abgelegenen Winkel der Galaxis zischt.
Aber der gute Tom hätte uns zu viel Zeit gekostet. Er singt ja so langsam. Und so schnell las ich nun auch wieder nicht.

Irgendwann war es geschafft. Hans Greis lächelte tapfer und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Spät war’s geworden. Ich schlenderte zurück zum Bahnhof. An einem Dönerstand wimmelte es von Bischöfen. Ein Schwarm nachtaktiver Nonnen huschte über die Kreuzung. Der Zug kam, wie es seine Art ist, pünktlich.

Rückfahrt.

Zur Geschichte möchte ich noch sagen: Sie ist im Kern autobiographisch. Jedenfalls was die Großmutter angeht, die um den Verstand ihres raumfahrenden Enkels fürchtet.

Tatsächlich besorgte meine Oma mütterlicherseits immer, ich müsste eines Tages wahrsinnig werden infolge ungestümen Lesens (PERRY RHODAN, PERRY RHODAN IM BILD, ATLAN, SUPERMAN, …). Und es soll tatsächlich irgendwo im Westfälischen auch ein ebenso entfernter wie übergeschnappter Onkel gesessen haben. Doch ob sein psychischer Defekt auf ein Zuviel an Lektüre zurückging, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Aber selbst wenn: Ich hätte mich davon sowieso nicht aufhalten lassen.

Ad astra, Oma!

Wim Vandemaan


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