7. September 2007

Der Sinn des Klebens

Michael Wittmann berichtet über seine aktuelle Zeichentechnik

Michael Wittmann, der seit Jahren für die PERRY RHODAN-Innenillustrationen (mit)verantwortlich zeichnet, hat sich »eine neue Arbeitsweise verordnet«. Erstmals werden die Leser diese Veränderung ab Band 2404 feststellen können. Ab sofort wird der in Wien lebende Illustrator nämlich »nicht nur Feder und Pinsel, sondern auch Schere, Skalpell und Klebstoff verwenden«.

Michael Wittmann erläutert sein Vorgehen folgendermaßen:
»Ich versuche ja immer wieder, neue Elemente in meine Zeichnerei einzubringen, damit sie nicht in Routine erstarrt, damit es interessant für mich bleibt und damit ich immer wieder einen neuen Zugang zu den Bildern finde.

Nach Band 2300 habe ich begonnen, die Schwarzflächen locker mit dem Borstenpinsel in Vinylfarbe (eine Kunstharzfarbe, aber matt auftrocknend und etwas widerständiger als Acryl) zu setzen, und habe dem Pinsel im Lauf der Zeit variantenreiche Schlieren und Strukturen abgerungen. Am deutlichsten ist das vielleicht bei der Illustration mit Dantyren von Band 2375 zu sehen. Da meine Tube schwarzer Vinylfarbe langsam zur Neige ging, hatte ich schon seit einiger Zeit vor, ab 2400 wieder stilistisch was Neues zu machen, wusste aber lange nicht was.

Bei der Illustration zu Band 2395, wo ich erstmals einen eingeklebten Hintergrund verwendete, war mir dann klar, dass es die Collage sein würde. Die erste Innenillustration in dieser Art wird in Band 2404 erscheinen und eine neue rätselhafte Figur im Dienste der Kosmokraten zeigen: die Generalin Kamuko, in einer dramatischen, aus Schwarzweißstrukturen zusammengesetzten Umgebung.

Ich habe einige große Papiere mit abstrakten Schwarzweißstrukturen bemalt und fleißig Fotos gesammelt und bin jetzt bestens gerüstet, auch in den folgenden Illus zu kleben, was das Zeug hält. Natürlich wird es dazwischen immer wieder Feder- und Pinselzeichnungen geben wie gewohnt. Für Band 2407 habe ich versucht einen Laosoor zu collagieren, hatte auch gutes Ausgangsmaterial, das die Textur schwarzen Pantherfells schön vorstellte, aber es wollte nicht gelingen, worauf ich eine Zeichnung in der altbewährten Federtechnik gemacht habe.

Collage für Science-Fiction-Illustration zu verwenden ist eigentlich so naheliegend, dass es mich wundert, warum es nicht viel häufiger gemacht wird. So wie der Science-Fiction-Autor Erscheinungen des realen Lebens in eine imaginäre Zukunftswelt extrapoliert und dabei verfremdet und übertreibt, nimmt der Collagekünstler Elemente vorhandener Bilderwelten und setzt sie zu neuen Gebilden zusammen.

Zwei meiner absoluten Lieblingszeichner, Johnny Bruck und Jack Kirby, haben in ihren produktivsten Perioden ihres Schaffens viele Collagen gemacht. Kirby sah darin einen ganz unmittelbaren Ausdruck von Kreativität, er schwärmte davon, dass jeder Collagen machen könne, dass kein besonderes Talent dazu nötig sei.

Dem ist entgegenzuhalten, dass für eine gute Collage selbstverständlich ein gutes Gespür für Komposition und Bildaufbau erforderlich ist. Und dass Kirbys Collagen in der Welt der amerikanischen Comics bis zum heutigen Tag so einzigartig dastehen wie Johnnys Collagen in der Welt der SF-Ilustrationen.

Und für mich persönlich garantiert die Collagetechnik, dass das Illustrieren von PERRY RHODAN-Romanen weiter eine spannende Entdeckungsreise bleibt.«

Soweit Michael Wittmann in seinen eigenen Worten. Viel Spaß beim Betrachten der neuen Illustrationen!