3. Januar 2008
»Die Zukunft in der Tasche« schildert die Jahre 1955 bis 1960
Im Dezember 2007 erschien das Buch »Die Zukunft in der Tasche« von Dr. Rainer Eisfeld, der 1974 bis zu seiner Emeritierung 2006 als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück wirkte. Eisfeld gehörte zu den frühesten Aktivisten der deutschsprachigen Science-Fiction-Szene, und davon handelt sein Buch. Der Untertitel stellt dies darüber hinaus klar: »Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik - Die Pionierjahre 1955 bis 1960«.
Das Buch umfasst 216 Seiten, die als Paperback mit farbigem Kartonumschlag publiziert worden sind. Es enthält 54 Abbildungen auf 36 Bildtafeln, davon 12 ganzseitig farbig, dazu ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister. Es kostet 25 Euro.
Erschienen ist das Buch im
Verlag Dieter von Reeken, über den es auch am schnellsten und vor allem versandkostenfrei bestellt werden kann. Mit Hilfe der ISBN 978-3-940679-11-6 kann das Buch natürlich auch über den Buchhandel oder über Versender wie
amazon.de bestellt werden.
Der Autor über sein Buch:
»Mitte der 50er Jahre begannen Heranwachsende, erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik gegen autoritäre Kontrollansprüche von Elternhaus, Schule, Behörden aufzubegehren. Die Teenager tasteten nach neuen Maßstäben, nach anderen Werten. Importe aus den USA, von Rock’n’Roll bis Science Fiction, stießen unter ihnen auf besondere Resonanz.
Optimistisch-zukunftsgewisser Glaube an den technischen Fortschritt lieferte der neuen, ›modernen‹ Orientierung eine wichtige Stütze. Amerikanische Science Fiction-Romane, übersetzt an den Kiosken erhältlich, popularisierten diese dynamische, allem Mief und Muff abholde Welt. Sie wurden schnell beliebt. Regelrecht als ›Feeling aus Rockmusik und Raumschiff Enterprise‹ ist das neue Lebensgefühl beschrieben worden, das unwiderstehlich zu grassieren begann. Wer Science Fiction las, konnte über-zeugt sein, die Zukunft in der Tasche zu tragen.
Dieses Buch schildert die Entstehung einer, wie man heute sagen würde, ›Subkultur‹ - des deutschen Science-Fiction-Fandoms. Es beschreibt die ersten, in vieler Hinsicht prägenden, Jahre des immer noch bestehenden Science Fiction Clubs Deutschland. Und es berichtet von den literarischen Erzeugnissen, welche die SF-Fans damals lasen.
›Ein amerikanischer Riesenerfolg - ganz neu für Deutschland‹, posaunte 1953 der Rastatter Heftverlag Erich Pabel. Seine Werbung für die Heftreihe Utopia - Jim Parkers Abenteuer im Weltraum setzte gezielt auf den überseeischen Begriff ›Science Fiction‹. Ein Jahr später wurde auf dem Kölner Friedhof Melaten der Serienheld und ›Westmann‹ Erich Rudolf Rosenthal alias Billy Jenkins beigesetzt, zu den Klängen eines Schmachtfetzens, den die Pressemitteilung des Verlags als Cowboysong ausgab: ›Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand...‹ Zufall, aber dennoch Symbol: Im selben Jahr lancierte Pabel eine zweite Reihe, bei der es nicht um Cowboys und Pferde ging, sondern um Raumpiloten und Raketen:
Utopia Großband - Science Fiction in deutscher Sprache, doppelt so umfangreich und doppelt so teuer wie die Utopia-Hefte, die noch einen deutschen Autor hatten. Der Großband dagegen brachte übersetzte Geschichten. Die Idee dazu stammte von dem 34jährigen
Walter Ernsting, und er war es auch, der 1955 den Science Fiction Club Deutschland ins Leben rief. 1958/59 zählte der Club knapp tausend Mitglieder.
Im Vorstand des SFCD war damals keiner jünger als 20. Bei den Mitgliedern sah das anders aus. Die erste Revolte gegen den Vorstand zettelten zwei ›junge Wilde‹ an, der Stuttgarter Wolfgang Jeschke und der Bremer Peter Noga - mit scharfer Kritik am gängigen Niveau der in Heft- (und Leihbuch-)form veröffentlichten Romane. Als Science Fiction dann ab 1960 begann, den Taschenbuchmarkt zu erobern, bot sich Jeschke und anderen Jungtalenten (Hans Joachim Alpers, Ronald Hahn, Franz Rottensteiner, Werner Fuchs) die große Chance. Alle Programme, von Suhrkamp bis Fischer und von Goldmann bis Heyne, wurden mit der Zeit von ihnen gestaltet.
Am Beginn aber stand unzweifelhaft das Fandom, standen Ernsting und der SFCD.«