23. Januar 2008
Robert Feldhoff im Interview zu PERRY RHODAN-Action
Die PERRY RHODAN-Redaktion hat ihren Praktikanten
Benjamin Golling gebeten, ein Telefoninterview mit unserem Chefautor
Robert Feldhoff zu führen.
F.: Hallo, Robert, ich höre Stimmen im Hintergrund, bist du gerade im Restaurant?A.: Kein Restaurant, sondern ein Cafe. Ich habe eben erst gefrühstückt, weil ich bis in die Nacht geschrieben habe.
F.: Das wäre schon das Stichwort. Du arbeitest ja gerade an Band 1 der neuen Serie ...A.: Richtig, PERRY RHODAN-Action. Das Heft wird »Trafalgars Killer« heißen.
F.: Klingt martialisch.A.: Der Schwerpunkt der Serie liegt ja auch etwas anderes als in der Hauptserie. Abenteuer, sense of wonder, aber weniger Kosmologie.
F.: Also Knall-Bumm-Action? Viele Leser könnten da skeptisch sein.A.: Quatsch. Ich sage ja nicht, dass PERRY RHODAN-Action ein völlig anderes Konzept verfolgt als die Hauptserie. PR-Action wird immer noch PERRY RHODAN sein, das ist das Allerwichtigste dabei! Wer Angst hat, die neue Serie könnte aus wildem Herumgespringe und sinnlosen Feuergefechten bestehen, der mag beruhigt sein: Nee - so sieht's nicht aus! Wir machen keinen Thrash. Klar habe ich eine Action-Szene zum Auftakt und auch zum Ende, auch dazwischen knallt es teilweise ordentlich. Das Heft wird schon ein rasantes Ding. Aber »Trafalgars Killer« könnte auch in der Hauptserie als Band erscheinen, das wäre kein Problem.
F.: In welcher Handlungszeit spielt das Heft?A.: 2166 nach Christi.
F.: Heutige Autoren und die Handlungszeit der Klassiker, passt das zusammen?A.: Denke ich schon. Wir haben ja früher auch Taschenbücher geschrieben, die in der Zeit spielen. Es ist so, dass wir uns an dem Flair aus der Frühzeit der Serie orientieren, darum geht's! Eine Art Synthese aus Gestern und Heute. Kann sein, dass da bei Autoren der dritten Generation eine Art Sehnsucht besteht, so etwas mal zu schreiben. Als ich in die Serie als Autor einstieg, war PERRY RHODAN ja schon erwachsen und riesengroß. PR-Action greift diese Wurzeln auf. Ich habe gerade ein paar ganz alte Willi-Voltz- und K.H.-Scheer-Romane gelesen, um das wieder in mich aufzusaugen. Voltz - damals schon großartig. Der Erfolg der Serie kam damals ja nicht aus dem kosmischen Überbau, den hat es damals ja noch nicht gegeben. Auch nicht aus der riesigen Komplexität, weil die entwickelte sich ja gerade erst. Sondern damals zählte Abenteuer.
Voltz,
Scheer und
Darlton haben zu dieser Zeit bewiesen, dass man tolle Romane auch ohne Superintelligenzen schreiben kann, und das wollen wir heute auch wieder.
F.: Das gesamte Perryversum war damals auch kleiner.A.: Ja. Aber kleiner heißt nicht ärmer, wir haben doch erst einen kleinen Teil unserer Geschichten erzählt. Man muss als Gegenwarts-Autor bei PR-Action nur aufpassen: 2166 heißt, wir haben noch keine Lemurer, keine Haluter, auch noch keine Blues. Keine Siganesen und Ertruser, jedenfalls noch nicht in der heute aktuellen Größe.
F.: Macht das die Arbeit leichter?A.: Vielleicht für Neu-Autoren, weil sie nicht ganz so viel präsent haben müssen, was die Serie prägt. Für mich definitiv nicht. Ich habe jetzt gerade das erste Drittel geschrieben, und die Arbeit ist genauso hart wie an einem PERRY-RHODAN-Jubiläumsband. Es ist ja oft so: Je flüssiger sich so ein Roman verschlingen läßt, desto mehr Arbeit steckt dahinter. Im Idealfall sollte der Leser durch die Seiten »fliegen«. Manche Leute verwechseln das mit Trivialität. In Wirklichkeit ist das der härteste Teil.
F.: Dann ist PERRY RHODAN-Action jetzt also keine Erholung zwischendurch für dich? Vom stressigen Expokraten-Job?A.: Schön wär's. Manche Autoren empfinden Schreiben als die reinste Freude. Ich quäle mich für das Ergebnis. Selbst wenn das Manuskript längst fertig wäre, fummle ich noch an den Sätzen herum und bastle so lange, bis sie Qualität haben.
F.: Klingt etwas negativ.A.: Soll es überhaupt nicht - das ist nur der ambivalente Aspekt des Schreibens. Auf der anderen Seite macht es nämlich riesigen Spaß, dass Rhodan endlich wieder »Sir« genannt wird. Ich kann das erste Mal Tako Kakuta springen lassen. Goratschin hat soeben seine ersten Gegner gezündet.
F.: Goratschin? Der taucht auf? Coole Figur!A.: Da gab es einen seltsamen Zufall: Ich dachte gerade über ein PERRY-RHODAN-Extra nach, in dem Goratschin möglicherweise eine Rolle spielen sollte. Das ist jetzt auch tatsächlich realisiert worden. Zeitgleich liefen die Planungen für die PR-Action-Serie, und als wir uns in Bielefeld bei
Dirk Schulz trafen, fragten wir uns, welche Personen infrage kämen. Wir überlegten, ob wir Goratschin nehmen sollen oder nicht, eben weil der als Mutant so mächtig ist. Exakt in diese Überlegungen hinein erreichte uns ein Leserbrief, in dem ein Altleser vorschlug, doch irgendwie Goratschin in die Handlung zurückzubringen. Da sagte
Klaus Frick: »Komm, das machen wir jetzt«, und die Sache war vom Tisch.
F.: Echt? So einfach?A.: So einfach.
F.: Danke für das nette Gespräch, Robert.Das Telefoninterview führte
Benjamin Golling.