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28. März 2008

Ein neues Kapitel innerhalb der ATLAN-Hardcover

Werkstattbericht von Rainer Castor

 
Rund 8000 Jahre vor Beginn der irdischen Zeitrechnung: Atlan von Gonozal, Kristallprinz und offizieller Thronfolger des riesigen Arkon-Imperiums, wurde seines Thrones beraubt. Seit der Ermordung seines Vaters Gonozal VII. regiert Imperator Orbanaschol III. über Tausende von Sonnensystemen.

Das Große Imperium steht zwar in der Blüte seiner Entwicklung, ist aber zunehmend von innen wie von außen bedroht. Wachsende Korruption und Misswirtschaft der Clique rings um Orbanaschol, der von der Kristallwelt aus das Sternenreich mehr schlecht als recht regiert, verstärken die Wirkung der Attacken jener Lebensformen, die die Arkoniden vereinfachend Methanatmer nennen. Hauptvolk dieser Angreifer sind die gefürchteten  Maahks.

Erste bewaffnete Auseinandersetzungen gab es bereits zur Regierungszeit von Atlans Vater. Inzwischen haben diese allerdings Ausmaße angenommen, dass von einem Krieg gesprochen werden muss. Und nach wie vor ist es Orbanaschols Ziel, den geflüchteten Atlan zu beseitigen ...

Mit diesen Sätzen lässt sich der Hintergrund umschreiben, der die Abenteuer des jungen Kristallprinzen in der Reihe der sogenannten »Blaubücher« prägt. Im Rahmen der insgesamt 850 Romane umfassenden ATLAN-Heftserie erschienen zwischen 1973 und 1977 unter dem Titel ATLAN-exklusiv - Der Held von Arkon zunächst im vierwöchentlichen (Bände 88 bis 126), dann im zweiwöchentlichen Wechsel mit den Abenteuern Im Auftrag der Menschheit (Bände 128 bis 176), danach im normalen wöchentlichen Rhythmus (Bände 177 bis 299) insgesamt 160 Romane, die seit einigen Jahren in bearbeiteter Form veröffentlicht werden.

Im Kampf gegen den Brudermörder Orbanaschol und dessen Häscher wurde der junge Kristallprinz in den letzten ATLAN-Hardcover mit den Hinterlassenschaften der geheimnisvollen Varganen konfrontiert. Ursprünglich stammten diese uralten Wesen aus dem Mikrokosmos, in den es auch  Atlan und seine Freunde verschlug. Beim Höhepunkt der Auseinandersetzung wurde die Eisige Sphäre, von den Völkern im Mikrokosmos Yarden genannt, vernichtet.  Atlan und seine Begleiter konnten allerdings im letzten Augenblick gerettet werden und erreichten wieder das Standarduniversum.

Unterdessen erlebte ein Freund Atlans eigene Abenteuer im Großen Imperium der Arkoniden: Der Barbar Ra begegnete auf dem Planeten Ark’alor den rätselhaften Con-Treh und erfuhr den Grund ihres Hasses auf alle Gonozal. Er hatte seinen Ursprung in der Zeit, als das System der drei Arkon-Welten unter Imperator Gonozal III. errichtet und die wenig schmeichelhafte Umschreibung »Con-Treh-Schlappe« zum geflügelten Wort wurde ...

Mit Buch 31  »Komet der Geheimnisse« fand die Varganen-Thematik insofern ihren Abschluss, weil Ischtar im letzten Kapitel  Atlan verließ: Ihr gemeinsamer Sohn Chapat habe, so die vage Erklärung der »Letzten Königin« der Varganen, eine Entwicklungsstufe erreicht, die besondere Maßnahmen erfordere. Und so verschwanden sie und Chapat aus dem Leben des jungen  Atlan, der Jahrtausende nichts vom weiteren Schicksal der »Goldenen Göttin« und seines Sohns wusste.

Erst fast 10.900 Jahre später -  Atlan ist nach seinen Abenteuern unter den Barbaren von Larsaf III und dem Zwischenspiel als Imperator von Arkon inzwischen Lordadmiral der  United Stars Organisation geworden - begegnet er im Jahr 2843 nach Christus Chapat unter dramatischen Umständen wieder. Durch den Einfluss einer sogenannten Traummaschine werden beide in Atlans Jugendzeit verschlagen, und hier müssen sie (erneut) gegen Orbanaschol kämpfen.

Verwickelt in diese Ereignisse ist auch der USO-Spezialist Sinclair Marout Kennon, dessen Körper am 3. August 2406 bei der Flucht von  Lepso in einer  Space-Jet weitgehend vernichtet wurde und der seither ein lebendes Gehirn in der »Vollprothese« eines Roboterkörpers ist. Dem Kosmokriminalisten soll fortan eine besondere Rolle zugedacht sein: Durch den Einfluss der Traummaschine ebenfalls in Atlans Jugendzeit materialisiert, lebt er nämlich in Gestalt seines früheren Körpers als Lebo Axton im Arkonsystem und dem Großen Imperium der Arkoniden - und wird zum Intrigant von Arkon.

 »Der Intrigant von Arkon« ist auch der Titel des nun erschienenen 32. Blaubuchs, in das folgende Hefte einflossen: Band 169 »Das Treffen der Einsamen« und Band 171 »Die Menschenjäger« von Arkon von  Ernst Vlcek sowie die Bände 176 »Der Intrigant«, 183 »Der Mutantenjäger« und 195 »Im Dienst Orbanaschol« von  H. G. Francis. Im Prolog finden sich darüber hinaus Auszüge und Zusammenfassungen der Bände 163 »Das Geheimnis von Gostacker« von  Kurt Mahr, 165 »Die Stars von Kantanong« von  H. G. Francis und 167 »Träume des Vergessens« von  Hans Kneifel; beim Interludium wurden Passagen aus Band 173 »Besuch im Totenreich« von  H. G. Ewers aufgegriffen - und im Epilog solche aus Band 175 »Die wandernde Seele« von  Hans Kneifel.

Chapats Auftauchen, seine und Atlans Traummaschinen-Abenteuer im Arkonsystem sowie Chapats Verschwinden im Anschluss greifen somit auf Abenteuer zurück, die in der ATLAN-Heftserie den Abschnitt »Im Auftrag der Menschheit« beendeten und inzwischen alle auch als  eBook vorliegen. Sinclair Marout Kennon alias Lebo Axton wiederum hat seinen über die ursprünglichen Bände 176, 183 und 195 laufenden Auftritt, dem in Blauband 33 und dann vereinzelt in späteren Büchern weitere folgen werden, bis sich am Schluss der Kreis schließt, welcher im Epilog von Buch 32 durch Atlans auflebende Erinnerungen seinen »Beginn« hat.

Vor diesem Hintergrund fällt also Band 32 »etwas aus dem Rahmen« der bisherigen Jugendabenteuer und leitet ein neues Kapitel ein. Ich hoffe, er gefällt ebenso wie die anderen Bücher. Mir jedenfalls hat die Zusammenstellung und Bearbeitung besonderen Spaß gemacht. Wie stets habe ich mich bemüht, dass aus fünf Einzelheften ein geschlossener Roman entsteht, der dennoch dem ursprünglichen Flair möglichst nahe kommen soll - ungeachtet der notwendigen und möglichst sanften Eingriffe, Korrekturen, Kürzungen, Umstellungen und Ergänzungen. Wer jetzt schon neugierig geworden ist, dem empfehle ich die anhängende  Leseprobe.

Die seinerzeit von  H. G. Francis geschriebenen Abenteuer des Kosmokriminalisten Kennon/Axton fanden übrigens damals derart guten Anklang, dass er auf vielfachen Leserwunsch sogar in den ab Band 300 der ATLAN-Heftserie erschienenen Zyklus »König von Atlantis« - inzwischen ebenfalls als  eBook vorliegend - übernommen wurde.
Welches Schicksal Chapat und Ischtar tatsächlich beschieden war oder ist, wurde bis heute (Stand Ende März 2008) nicht geklärt und bleibt bis auf Weiteres eine der vielen nicht erzählten Geschichten im Perryversum ...

 Rainer Castor