10. Juli 2009
Interview mit Marc A. Herren
»Alle Geschichten, die es gibt, beruhen in irgendeinem Punkt auf Geschehenem und Erfahrungen des Erzählers.«
Mit dem »Silbermann« hat der Jungautor Marc A. Herren sein erstes Taschenbuch geschrieben, das gleichzeitig auch sein Einstiegswerk in die Welt des Arkoniden Atlan darstellt. Ein starker Auftakt für einen Autor, der sich seine ersten professionellen Sporen mit PERRY RHODAN-Action verdient hat. Doch der Schweizer fühlt sich zu höherem berufen und liebäugelt bereits mit dem Einstieg in die Erstauflage. Zurecht? Dieser und weiteren Fragen geht PERRY RHODAN-Kommunikator Björn Berenz auf den Grund.
Hallo, Marc, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum »Silbermann«. Was war das für ein Gefühl, sein erstes eigenes Taschenbuch in den Händen zu halten? Hat sich damit ein Traum erfüllt?
Vielen Dank! Das Wort »Bubentraum« habe ich im letzten Jahr immer wieder bemüht. So viele Dinge sind geschehen, von denen ich bis vor kurzem nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Oft kam ich mir vor wie Alice im Wunderland. Manchmal blickte ich vom Bildschirm auf, sah zum Fenster raus und schüttelte ungläubig lächelnd den Kopf, wenn mir wieder einmal bewusst wurde, was ich da tat. Ebenso erging es mir, als ich den Karton mit den Belegexemplaren öffnete, eines herausnahm und staunend das dicke Ding betrachtete, auf dem mein Name stand und das so aufregend nach Buch roch.
Du sagst es, dein Monolith-Beitrag ist extrem dick, hat einen ungewöhnlich großen Umfang. Lag es tatsächlich am Exposé oder hast du beim Schreiben kein Ende gefunden? So etwas soll ja hin und wieder vorkommen ...
Uh, Björn! Wenn du mir versprichst, es niiiiemandem weiter zu erzählen, verrate ich dir ein Geheimnis: Das Manuskript hatte sogar ein paar Zeichen zu wenig, als ich es einreichte. Wenn ich's richtig im Kopf habe, hatten Uwe Anton und Rüdiger Schäfer ein paar zehntausend Zeichen mehr abgeliefert als ich. Keine Ahnung, wie der Setzer es geschafft hat, so viele Seiten daraus zu machen.
Hat das Schreiben dennoch Spaß gemacht, oder überwog der Stress?
Uff. Einzelne Kapitel haben mir extrem viel Spaß bereitet. Besonders diejenigen mit dem zwischenmenschlichen Touch. Santjun und Naileth sind mir stark ans Herz gewachsen, ebenso Marik, das Ekel, auch wenn man das vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht. Der Rest aber, wenn ich ehrlich bin, wuchs zu einer außergewöhnlich intensiven Erfahrung heran. Ich habe viel gelernt über das Schreiben und mich selbst.
Was denn?
Hmmm. Das will und kann ich nicht haarklein erklären. Aber das Schreiben unter Druck des Abgabetermins mit gleichzeitigen Konzentrationsstörungen durch private Ereignisse haben mir meine Grenzen gezeigt - und teilweise auch, wie ich sie überwinden kann. Und wie wichtig bei PERRY RHODAN in- und externe Personen sind, die einem den Rücken stärken.
Während deiner Arbeit am Silbermann haben wir uns einmal kurz unterhalten. Da hast du mir einen ziemlich verzweifelten Eindruck gemacht, weil du merktest, dass du zu viele persönliche Dinge, die dich gerade beschäftigten, in den Roman hast einfließen lassen.
Soso, habe ich wieder mal einen auf Dramaqueen gemacht? Nun, es stimmt, dass mich damals gerade ziemlich viele Dinge beschäftigt haben. Mein Arbeitgeber wurde durch die Finanzkrise kräftigst durchgeschüttelt, ich machte mir Sorgen um meine Mitarbeiter und unsere Zukunft. Dazu kam eine Beziehung, die ziemlich genau bei Kapitel 2 entstanden und während des Kapitels 31 wieder zerbrochen war. Als es dann noch einem nahen Familienmitglied gesundheitlich sehr schlecht ging, kam ich an einen Punkt, an dem es sehr schwierig wurde, in den eigenen Romanwelten zu versinken. An dieser Stelle war es für mich äußerst wichtig, das Verständnis und Vertrauen meiner Kollegen Michael Thiesen und Manfred H. Rückert zu spüren, als ich etwas in Verzug geriet. So gelang es mir, mich wieder auf das Schreiben zu konzentrieren und den Roman zu Ende zu bringen. Dieses Einfließen persönlicher Dinge geschah vor allem durch die zwischenzeitliche, aber nicht minder intensive Beziehung und Trennung. Erst beim Überarbeiten des Romans habe ich mit Staunen Charaktere Dinge sagen hören, die mir äußerst bekannt vorkamen.
Das ist wohl ein generelles Problem bei Autoren, was?
Ich denke nicht, dass man von einem »Problem« sprechen darf, wenn der Autor in seinen eigenen Erlebnispool greift und mit ihm arbeitet. Im Gegenteil: Ich fühle mich als Autor dann am sichersten, wenn ich total in der Situation aufgehe, in der meine Charaktere stecken. Und das funktioniert dann am Besten, wenn ich bereits auf irgendeine Art darin war, oder sie sehr, sehr gut kenne. Alle Geschichten, die es gibt, beruhen in irgendeinem Punkt auf Geschehenem und Erfahrungen des Erzählers.
Wie kam es überhaupt zu deinem ersten ATLAN-Taschenbuch? Wer musste überzeugt werden?
PERRY RHODAN gehört in der Schweiz leider nicht zur Pop-Kultur wie in Deutschland. Entsprechend kennt man die Serie weniger und fasst die Romane mit »Jerry Cotton« & Co. mit dem Begriff »Schundheftli« zusammen. Verwandte, Bekannte, Geschäftskollegen oder sonst jemand, die oder den ich meine Lebensgeschichte aufdränge, reagiert entsprechend mit »Oh, das finde ich ja toll/cool/super/interessant, aber ...« So war es für mich relativ schnell klar, dass ich die Schweizer vor allem mit Taschenbüchern würde überzeugen müssen. (Das war wiedermal eine typisch lange Vorgeschichte Marke »Herren«, sorry.) Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich beim Ex-VPM-Praktikanten Benjamin Golling meinen Wunsch deponiert und irgendwann erhielt ich dann einen Anruf von der lieben Sabine Kropp. Wer wen überzeugt hat, kann ich nicht sagen und hoffe sehr, dass es nicht Bennys Überzeugungskraft war, die seine Schritte von VPM weggelenkt haben. *lach*
War es nicht, da kann ich dich beruhigen. Beim »Silbermann« - wie auch bei PERRY RHODAN-Action - wird deutlich, dass es dir Agentengeschichten ganz besonders angetan haben ...
Agentengeschichten beinhalten viele spannende Elemente, wie persönliche Konflikte und pure Action. Viel wichtiger als das Genre sind mir aber die handelnden Figuren, in die ich während des Schreibens hineinschlüpfe. Selbst wenn »Der Silbermann« einige Agenten-Elemente besitzt, gehörte mein Herz eher der Liebesgeschichte zwischen Santjun und Naileth, sowie der langsamen Verwandlung des Silbermanns.
PERRY RHODAN-Action wird nach der dritten Staffel leider nicht mehr fortgesetzt. Das trifft besonders dich als festen PRA-Autor. Wie sehen denn nun deine weiteren schriftstellerischen Ambitionen aus?
Die Einstellung von PRA war für mich eine große Enttäuschung. Wir haben uns mit jeder Staffel in punkto Qualität und Vielseitigkeit gesteigert und hätten noch viele spannende Ideen umsetzen können. Leider haben wir auf dem Weg zu viel Lesergunst verloren und müssen uns nun der Wirtschaftlichkeit beugen. Es wäre schön, wenn es wie damals bei der neuen ATLAN-Reihe eine Möglichkeit geben würde, die Geschichten in Taschenbuchform weiter erzählen zu können. Da wäre ich selbstverständlich sofort Feuer und Flamme, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Auf der anderen Seite fühle ich mich langsam bereit ... äh ... wie sage ich das am besten ... bei einer anderen Heftserie von VPM ein bissl Luft zu schnuppern. *blinzel*
Ich muss dich enttäuschen, Marc, »Edelweiß« wurde bereits vor Jahren bei VPM eingestellt. Spaß beiseite, fühlst du dich wirklich schon bereit für den großen Schritt in die Erstauflage?
Ehrlich gesagt: Ja. Noch vor einem halben Jahr hätte ich eine solche Herausforderung mit einem mehrheitlich mulmigen Gefühl in Angriff genommen. Nun fühle ich mich schon ziemlich sicher beim Schreiben. Ich kenne meine Stärken und Schwächen, meine Vorlieben und Herausforderungen. Zudem kann ich mich auf sehr, sehr wertvolle Testleser verlassen, die mir sehr, sehr wertvolle Hinweise geben und mir beispielsweise die lästigen Wortwiederholungen reklamieren. Last but not least fühle ich mich von der Redaktion und den Autorenkollegen mustergültig unterstützt. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, in 15 Monaten sieben Romane zu schreiben, wenn sie mir nicht ständig mit Ratschlägen und Rückmeldungen zur Seite gestanden hätten. Okay, okay - ich geb's ja zu: Sobald jemand die Erstauflage als mögliches Betätigungsfeld vorschlägt, jagen immer noch heiße und kalte Schauer über meinen Körper. Ich lese PERRY RHODAN seit zwanzig Jahren. Die Charaktere begleiten mein Leben und ich ihres - und dieses Perryversum sollte ich nun plötzlich mitgestalten? Das war bei Perry-Action schon ganz unglaublich, nun wäre es geradezu unfassbar. Und eine wahnsinnig schöne Herausforderung.
Es ist kein Geheimnis, dass die Serie im Allgemeinen ein Problem damit hat, jüngere Zielgruppen zu erschließen. Tatsächlich gehören wir beide mit Anfang 30 zu den jüngsten im PR-Team. Was glaubst du, wie man die Jugend von heute zum PR-Lesen bewegen könnte?
Das letztjährige Computerspiel war ein sehr guter Ansatz. Man muss die Romane wahrscheinlich mehr und mehr vom Heft- oder besser gesagt Papierformat wegbringen. E-Books, Hörbücher, Online-Games und TV-Serien sind insbesondere bei den U-40ern akzeptiert und beliebt ...
Eine Frage noch, die viele aktive Fans interessieren dürfte: Auf welchen Cons und Events wird man dich in naher Zukunft antreffen?
Selbstverständlich setze ich alles daran, im Juli am GarchingCon dabei zu sein. Ich war vor vier Jahren erstmals dabei und habe mich sofort wohl gefühlt und viele schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen. Ab und an bin ich an den Stammtischen in Ulm, Karlsruhe und Zürich anzutreffen, und auch der ColoniaCon steht bei mir fix im Kalender. Anfangs August werde ich wieder einen Leseabend organisieren. Letztes Jahr war's ein Anlass für alle Sinne: Neben dem Hauptthema PERRY RHODAN-Action frönten die Anwesenden dem Vurguzz- und Warab-Genuss und die schwedische Miss Bern amtierte als Glücksfee. Das war ein speziell schöner Abend!
Fällt dir eigentlich auf, dass ich mir bis jetzt jegliches Wortspiel über deine Staatsangehörigkeit verkniffen habe? Und das, wo wir beide uns ausgerechnet am Schweizer Nationalfeiertag kennen gelernt haben - an dem du ein knallrotes T-Shirt mit weißem Kreuz getragen hast. Bist du stolz auf mich?
Ich bin sehr stolz auf dich! Hätte nicht gedacht, dass du das durchhältst.
Vielleicht noch ein kurzes Statement zum Abschneiden deines Lieblings-Fußball-Clubs, den Berner Young Boys, beim diesjährigen Schweizer Cupfinal?
Uff. Auch du, Brutus? Der Dolch stach tief, kam sehr nahe am Herzen zu liegen, als YB nach einer 2:0-Führung noch 2:3 verlor. Danke für die Erinnerung, Björn! *blinzel* Im Ernst: Der BSC YB gehört in das Berner Herz wie der Bärengraben, Züri West, der SCB oder die Berner Altstadt. Nach dem Cup-Aus habe ich einen YB-Seidenschal mit der Aufschrift »Irgendeinisch fingt ds Glück eim« gekauft. Das wird auch weiterhin das Motto der YB-Fans bleiben - seit 1987 warten wir auf einen nationalen Titel. Aber irgendwann einmal ... Ich werde den Schal übrigens in Gran Canaria an die Wand meines Appartements hängen. Als Leitgedanke.
Gran Canaria?
Mitte August ziehe ich für ein Jahr dorthin. Dadurch werde ich mich intensiver meinen Passionen Schreiben und Tauchen widmen können, dafür aber leider nicht mehr so präsent an PR-Veranstaltungen sein. Wobei: Gran Canaria ist ein äußerst beliebter Tagungsort ...
Das werde ich gleich mal als Idee für die nächste Teamtagung an den Chefredakteur herantragen. Marc, es war mir ein Vergnügen, dir Löcher in den Bauch zu fragen, und ich bin sehr auf deinen weiteren Autorenwerdegang gespannt ...
Mit dem »Silbermann« hat der Jungautor Marc A. Herren sein erstes Taschenbuch geschrieben, das gleichzeitig auch sein Einstiegswerk in die Welt des Arkoniden Atlan darstellt. Ein starker Auftakt für einen Autor, der sich seine ersten professionellen Sporen mit PERRY RHODAN-Action verdient hat. Doch der Schweizer fühlt sich zu höherem berufen und liebäugelt bereits mit dem Einstieg in die Erstauflage. Zurecht? Dieser und weiteren Fragen geht PERRY RHODAN-Kommunikator Björn Berenz auf den Grund.
Hallo, Marc, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum »Silbermann«. Was war das für ein Gefühl, sein erstes eigenes Taschenbuch in den Händen zu halten? Hat sich damit ein Traum erfüllt?
Vielen Dank! Das Wort »Bubentraum« habe ich im letzten Jahr immer wieder bemüht. So viele Dinge sind geschehen, von denen ich bis vor kurzem nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Oft kam ich mir vor wie Alice im Wunderland. Manchmal blickte ich vom Bildschirm auf, sah zum Fenster raus und schüttelte ungläubig lächelnd den Kopf, wenn mir wieder einmal bewusst wurde, was ich da tat. Ebenso erging es mir, als ich den Karton mit den Belegexemplaren öffnete, eines herausnahm und staunend das dicke Ding betrachtete, auf dem mein Name stand und das so aufregend nach Buch roch.
Du sagst es, dein Monolith-Beitrag ist extrem dick, hat einen ungewöhnlich großen Umfang. Lag es tatsächlich am Exposé oder hast du beim Schreiben kein Ende gefunden? So etwas soll ja hin und wieder vorkommen ...
Uh, Björn! Wenn du mir versprichst, es niiiiemandem weiter zu erzählen, verrate ich dir ein Geheimnis: Das Manuskript hatte sogar ein paar Zeichen zu wenig, als ich es einreichte. Wenn ich's richtig im Kopf habe, hatten Uwe Anton und Rüdiger Schäfer ein paar zehntausend Zeichen mehr abgeliefert als ich. Keine Ahnung, wie der Setzer es geschafft hat, so viele Seiten daraus zu machen.
Hat das Schreiben dennoch Spaß gemacht, oder überwog der Stress?
Uff. Einzelne Kapitel haben mir extrem viel Spaß bereitet. Besonders diejenigen mit dem zwischenmenschlichen Touch. Santjun und Naileth sind mir stark ans Herz gewachsen, ebenso Marik, das Ekel, auch wenn man das vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht. Der Rest aber, wenn ich ehrlich bin, wuchs zu einer außergewöhnlich intensiven Erfahrung heran. Ich habe viel gelernt über das Schreiben und mich selbst.
Was denn?
Hmmm. Das will und kann ich nicht haarklein erklären. Aber das Schreiben unter Druck des Abgabetermins mit gleichzeitigen Konzentrationsstörungen durch private Ereignisse haben mir meine Grenzen gezeigt - und teilweise auch, wie ich sie überwinden kann. Und wie wichtig bei PERRY RHODAN in- und externe Personen sind, die einem den Rücken stärken.
Während deiner Arbeit am Silbermann haben wir uns einmal kurz unterhalten. Da hast du mir einen ziemlich verzweifelten Eindruck gemacht, weil du merktest, dass du zu viele persönliche Dinge, die dich gerade beschäftigten, in den Roman hast einfließen lassen.
Soso, habe ich wieder mal einen auf Dramaqueen gemacht? Nun, es stimmt, dass mich damals gerade ziemlich viele Dinge beschäftigt haben. Mein Arbeitgeber wurde durch die Finanzkrise kräftigst durchgeschüttelt, ich machte mir Sorgen um meine Mitarbeiter und unsere Zukunft. Dazu kam eine Beziehung, die ziemlich genau bei Kapitel 2 entstanden und während des Kapitels 31 wieder zerbrochen war. Als es dann noch einem nahen Familienmitglied gesundheitlich sehr schlecht ging, kam ich an einen Punkt, an dem es sehr schwierig wurde, in den eigenen Romanwelten zu versinken. An dieser Stelle war es für mich äußerst wichtig, das Verständnis und Vertrauen meiner Kollegen Michael Thiesen und Manfred H. Rückert zu spüren, als ich etwas in Verzug geriet. So gelang es mir, mich wieder auf das Schreiben zu konzentrieren und den Roman zu Ende zu bringen. Dieses Einfließen persönlicher Dinge geschah vor allem durch die zwischenzeitliche, aber nicht minder intensive Beziehung und Trennung. Erst beim Überarbeiten des Romans habe ich mit Staunen Charaktere Dinge sagen hören, die mir äußerst bekannt vorkamen.
Das ist wohl ein generelles Problem bei Autoren, was?
Ich denke nicht, dass man von einem »Problem« sprechen darf, wenn der Autor in seinen eigenen Erlebnispool greift und mit ihm arbeitet. Im Gegenteil: Ich fühle mich als Autor dann am sichersten, wenn ich total in der Situation aufgehe, in der meine Charaktere stecken. Und das funktioniert dann am Besten, wenn ich bereits auf irgendeine Art darin war, oder sie sehr, sehr gut kenne. Alle Geschichten, die es gibt, beruhen in irgendeinem Punkt auf Geschehenem und Erfahrungen des Erzählers.
Wie kam es überhaupt zu deinem ersten ATLAN-Taschenbuch? Wer musste überzeugt werden?
PERRY RHODAN gehört in der Schweiz leider nicht zur Pop-Kultur wie in Deutschland. Entsprechend kennt man die Serie weniger und fasst die Romane mit »Jerry Cotton« & Co. mit dem Begriff »Schundheftli« zusammen. Verwandte, Bekannte, Geschäftskollegen oder sonst jemand, die oder den ich meine Lebensgeschichte aufdränge, reagiert entsprechend mit »Oh, das finde ich ja toll/cool/super/interessant, aber ...« So war es für mich relativ schnell klar, dass ich die Schweizer vor allem mit Taschenbüchern würde überzeugen müssen. (Das war wiedermal eine typisch lange Vorgeschichte Marke »Herren«, sorry.) Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich beim Ex-VPM-Praktikanten Benjamin Golling meinen Wunsch deponiert und irgendwann erhielt ich dann einen Anruf von der lieben Sabine Kropp. Wer wen überzeugt hat, kann ich nicht sagen und hoffe sehr, dass es nicht Bennys Überzeugungskraft war, die seine Schritte von VPM weggelenkt haben. *lach*
War es nicht, da kann ich dich beruhigen. Beim »Silbermann« - wie auch bei PERRY RHODAN-Action - wird deutlich, dass es dir Agentengeschichten ganz besonders angetan haben ...
Agentengeschichten beinhalten viele spannende Elemente, wie persönliche Konflikte und pure Action. Viel wichtiger als das Genre sind mir aber die handelnden Figuren, in die ich während des Schreibens hineinschlüpfe. Selbst wenn »Der Silbermann« einige Agenten-Elemente besitzt, gehörte mein Herz eher der Liebesgeschichte zwischen Santjun und Naileth, sowie der langsamen Verwandlung des Silbermanns.
PERRY RHODAN-Action wird nach der dritten Staffel leider nicht mehr fortgesetzt. Das trifft besonders dich als festen PRA-Autor. Wie sehen denn nun deine weiteren schriftstellerischen Ambitionen aus?
Die Einstellung von PRA war für mich eine große Enttäuschung. Wir haben uns mit jeder Staffel in punkto Qualität und Vielseitigkeit gesteigert und hätten noch viele spannende Ideen umsetzen können. Leider haben wir auf dem Weg zu viel Lesergunst verloren und müssen uns nun der Wirtschaftlichkeit beugen. Es wäre schön, wenn es wie damals bei der neuen ATLAN-Reihe eine Möglichkeit geben würde, die Geschichten in Taschenbuchform weiter erzählen zu können. Da wäre ich selbstverständlich sofort Feuer und Flamme, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Auf der anderen Seite fühle ich mich langsam bereit ... äh ... wie sage ich das am besten ... bei einer anderen Heftserie von VPM ein bissl Luft zu schnuppern. *blinzel*
Ich muss dich enttäuschen, Marc, »Edelweiß« wurde bereits vor Jahren bei VPM eingestellt. Spaß beiseite, fühlst du dich wirklich schon bereit für den großen Schritt in die Erstauflage?
Ehrlich gesagt: Ja. Noch vor einem halben Jahr hätte ich eine solche Herausforderung mit einem mehrheitlich mulmigen Gefühl in Angriff genommen. Nun fühle ich mich schon ziemlich sicher beim Schreiben. Ich kenne meine Stärken und Schwächen, meine Vorlieben und Herausforderungen. Zudem kann ich mich auf sehr, sehr wertvolle Testleser verlassen, die mir sehr, sehr wertvolle Hinweise geben und mir beispielsweise die lästigen Wortwiederholungen reklamieren. Last but not least fühle ich mich von der Redaktion und den Autorenkollegen mustergültig unterstützt. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, in 15 Monaten sieben Romane zu schreiben, wenn sie mir nicht ständig mit Ratschlägen und Rückmeldungen zur Seite gestanden hätten. Okay, okay - ich geb's ja zu: Sobald jemand die Erstauflage als mögliches Betätigungsfeld vorschlägt, jagen immer noch heiße und kalte Schauer über meinen Körper. Ich lese PERRY RHODAN seit zwanzig Jahren. Die Charaktere begleiten mein Leben und ich ihres - und dieses Perryversum sollte ich nun plötzlich mitgestalten? Das war bei Perry-Action schon ganz unglaublich, nun wäre es geradezu unfassbar. Und eine wahnsinnig schöne Herausforderung.
Es ist kein Geheimnis, dass die Serie im Allgemeinen ein Problem damit hat, jüngere Zielgruppen zu erschließen. Tatsächlich gehören wir beide mit Anfang 30 zu den jüngsten im PR-Team. Was glaubst du, wie man die Jugend von heute zum PR-Lesen bewegen könnte?
Das letztjährige Computerspiel war ein sehr guter Ansatz. Man muss die Romane wahrscheinlich mehr und mehr vom Heft- oder besser gesagt Papierformat wegbringen. E-Books, Hörbücher, Online-Games und TV-Serien sind insbesondere bei den U-40ern akzeptiert und beliebt ...
Eine Frage noch, die viele aktive Fans interessieren dürfte: Auf welchen Cons und Events wird man dich in naher Zukunft antreffen?
Selbstverständlich setze ich alles daran, im Juli am GarchingCon dabei zu sein. Ich war vor vier Jahren erstmals dabei und habe mich sofort wohl gefühlt und viele schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen. Ab und an bin ich an den Stammtischen in Ulm, Karlsruhe und Zürich anzutreffen, und auch der ColoniaCon steht bei mir fix im Kalender. Anfangs August werde ich wieder einen Leseabend organisieren. Letztes Jahr war's ein Anlass für alle Sinne: Neben dem Hauptthema PERRY RHODAN-Action frönten die Anwesenden dem Vurguzz- und Warab-Genuss und die schwedische Miss Bern amtierte als Glücksfee. Das war ein speziell schöner Abend!
Fällt dir eigentlich auf, dass ich mir bis jetzt jegliches Wortspiel über deine Staatsangehörigkeit verkniffen habe? Und das, wo wir beide uns ausgerechnet am Schweizer Nationalfeiertag kennen gelernt haben - an dem du ein knallrotes T-Shirt mit weißem Kreuz getragen hast. Bist du stolz auf mich?
Ich bin sehr stolz auf dich! Hätte nicht gedacht, dass du das durchhältst.
Vielleicht noch ein kurzes Statement zum Abschneiden deines Lieblings-Fußball-Clubs, den Berner Young Boys, beim diesjährigen Schweizer Cupfinal?
Uff. Auch du, Brutus? Der Dolch stach tief, kam sehr nahe am Herzen zu liegen, als YB nach einer 2:0-Führung noch 2:3 verlor. Danke für die Erinnerung, Björn! *blinzel* Im Ernst: Der BSC YB gehört in das Berner Herz wie der Bärengraben, Züri West, der SCB oder die Berner Altstadt. Nach dem Cup-Aus habe ich einen YB-Seidenschal mit der Aufschrift »Irgendeinisch fingt ds Glück eim« gekauft. Das wird auch weiterhin das Motto der YB-Fans bleiben - seit 1987 warten wir auf einen nationalen Titel. Aber irgendwann einmal ... Ich werde den Schal übrigens in Gran Canaria an die Wand meines Appartements hängen. Als Leitgedanke.
Gran Canaria?
Mitte August ziehe ich für ein Jahr dorthin. Dadurch werde ich mich intensiver meinen Passionen Schreiben und Tauchen widmen können, dafür aber leider nicht mehr so präsent an PR-Veranstaltungen sein. Wobei: Gran Canaria ist ein äußerst beliebter Tagungsort ...
Das werde ich gleich mal als Idee für die nächste Teamtagung an den Chefredakteur herantragen. Marc, es war mir ein Vergnügen, dir Löcher in den Bauch zu fragen, und ich bin sehr auf deinen weiteren Autorenwerdegang gespannt ...




