| Vor einigen Wochen habe ich – meinen ökologischen Träumen
gehorchend – mein Auto verkauft. Also durfte ich die Anreise zum Con in
Garching mit den öffentlichen Verkehrsmitteln versuchen.
Ich gebe es ehrlich zu: Heute war ich sehr glücklich über
die Wahl. Während eine subtropische Wetterfront Deutschland heimsucht (früher
waren es die Russen mit ihren Wettermaschinen, heute wahlweise Außerirdische
oder das Ozon-Loch, die daran schuld sind), saß ich im klimatisierten Zug und
wälzte mich nach München.
In München angekommen, musste ich erst drei Fragen klären:
Wo
zum Teufel sind meine Wegbeschreibung und die Conunterlagen in meinem
Rucksack geblieben.
- Wie
zum Teufel komme ich ohne die Unterlagen aus Punkt 1 zum Con.
- Kann
mir irgendjemand sagen, ob mein „München City-Ticket“ mich bis zum Con
bringt?
Die Antwort auf Frage 1 fand ich im Zug nicht (ich fand das
Zeug erst im Hotel wieder; gut verborgen unter T-Shirts und Socken). Blieben
Frage 2 und 3. Der nette Mann von der Bahn am Münchener Hauptbahnhof verwies
mich an die S-Bahn, dort konnte man mir sagen, dass ich nachlösen muss (Frage
3) und man erklärte mir, wie ich unter wenigen Schwierigkeiten bis Garching mit
der U-Bahn kommen würde (Frage 2).
Die S-Bahn (zwei Stationen) war eine echte Pracht:
Effizient, sauber, schnell. Die U-Bahn liegt nicht nur tiefer, der Standard ist
auch tiefer. Die Halle war gerade in der Renovierung; die Kacheln waren
entfernt, der Boden aufgerissen. Die Bahn versprühte den Charme der 60er Jahre,
brachte mich aber in 22 Minuten nach Garching. Mir gegenüber eine junge Dame
mit einer schweren Büchertüte, die von unterwegs per Handy „Schatzi“ anrief,
damit der sie am Zug abholt, weil die Tasche so schwer ist. Was haben diese
Menschen vor der Erfindung des mobilen Telefons gemacht?
In Garching musste ich mich dann von Bus zu Bus durchfragen,
aber die Busfahrer waren sehr freundlich und ausgesprochen hilfsbereit. So
konnte ich mein Hotel in wenigen Minuten erreichen, ohne in größere
Schwierigkeiten zu geraten.
Mit anderen Con-Städten habe ich andere Erfahrungen gemacht,
München und Garching präsentierten sich auf voller Breite sehr angenehm und
höflich.
Das Hotel erwies sich als freundliches Haus im
Landhaus-Stil, das ich – der Wegbeschreibung von Achim Mehnert folgend, den ich
gleich auf dem Weg traf – sofort fand. Die Zimmer sind sehr schön, es sind nur
drei Wegminuten bis zum Con.
Wegen der tropischen Verhältnisse (siehe oben) konnte ich
das Bad in vollem Umfang genießen, so dass ich fast menschlich am Conlokal
ankam.
Hier war schon viel los. Erst hieß es, die Waren für die
PRFZ zu suchen (Erfolg), den Lieferschein zu suchen (Erfolg), das Personal für
den Tisch zu finden (kein Erfolg) und den Tisch zu finden (kein Erfolg). Eine
schnelle Begrüßungsrunde mit den „üblichen Verdächtigen“, wobei ich den
Eindruck zerstreuen müsste, ich wäre Michael Thurner. Zwar haben wir beide
lange Haare, aber ist Österreicher!
Völlig verwirrt setzte ich mich in die nette Kneipe im
Congelände, um bei Salat und Radler ein wenig zur Ruhe zu kommen und diese
Worte hier zu schreiben.
Eben durfte ich sogar kurz am Tisch der Damen und Herren von
VPM vorbeigehen und ein paar Sätze wechseln. Die Kneipe ist leer bis auf uns –
sie am einen Ende beim Diskutieren von wichtigen Fragen, welche die Zukunft des
deutschen Fandoms entscheiden werden, ich hingegen bei zwei Radler und einem
sehr guten gemischten Salat und einer Pfeife. Und wenn dann Menschen kommen,
die wissen wollen, ob die Galaxis NGC 4533 noch einmal in der Handlung eine
Rolle spielen wird, verweise ich sie ohne Gewissensbisse an Klaus – denn der
hat noch nichts zu essen.
Tiefsinnige Themen drängen sich an solchen Tagen auf. Was
hat mir das Fandom eigentlich gebracht (um eine bekannte Phrase aus „Das Leben
des Brian“ zu persiflieren)?
- Ich
kann Karten lesen (wichtig als Beifahrer). Damit ist nicht das Lesen von
Tarot-Karten gemeint, welches auf SF-Cons eher unnütz ist (SF-Fans glauben
an die Technik, nicht an die Magie).
- Ich
beherrsche die Tücken des Nahverkehrs (und diese mich).
- Ich
bin an Wochenenden selten daheim (aber glücklich).
- Ich
kann Buchläden nicht widerstehen (auf dem Weg zum Con machte ich „noch
schnell“ in einem Halt).
- Ich
bin nicht das Leseproblem in Deutschland (sondern eher der Mensch, der für
zehn andere Familien den Buchdurchschnitt pro Jahr alleine miterfüllt).
Zurück zum Thema: Garching. Das verspricht, ein schöner Con
zu werden. Prächtiges Wetter, nette Veranstalter, nette Stadt, nettes Hotel,
nette Gäste, umfassendes Programm. Heute Abend folgt das Treffen der
PR-FanClubs unter der „Ägide“ der PR-Redaktion, morgen darf ich bei Robert
Vogels Hörspiel mitwirken und Sonntag dann noch zur „Audienz“ bei Klaus N.
Frick. Mein Leben ist voller Wunder. |