Schon früh begann der 1949 in Bünde geborene Alfred Kelsner mit der Malerei; nach eigenen Angaben »bereits im Vorschulalter, als ich die Tapeten unserer Wohnung vollkritzelte«.
Während er sich als Kind vor allem für Ritterzeichungen begeistern konnte, änderten sich Kelsners Vorlieben als Jugendlicher: Er kaufte sich Astronomie-Bücher und ein Teleskop, wurde begeisterter Hobby-Astronom - und daraus entwickelte sich seine Passion für die Science Fiction-Malerei.
Nach einer Lehre als Schilder- und Reklamemaler studierte Kelsner an der Fachhochschule Köln und wurde Grafik-Designer. Seit 1978 ist er als freischaffender Grafiker und Illustrator tätig, anfangs vor allem als Reklamemaler für Supermärkte.
Wer Kelsners Bilder anschaut, möchte glauben, einen langjährigen Science Fiction-Fan in ihm zu erkennen. Weit gefehlt - bis in die 80er Jahre hinein hat der Westfale so gut wie keine SF angerührt. Bis er an ein PERRY RHODAN-Romanheft geriet... an eines aus der Feder von
Bevor Kelsner mit der Arbeit beginnt, liest er das vorliegende Exposé für den Roman - denn meist gibt es noch kein fertiges Manuskript. Häufig muß mit dem Autor telefoniert werden. Da läßt sich der Zeichner auch gerne erzählen, wie's der Autor gerne hätte. Und manchmal sagt der Autor: »Mensch, mach doch mal ein schönes Raumschiff, und ich bau's hinterher in den Roman ein.« Eine solche Arbeit dürfte dem Künstler Kelsner, der sich durch zu viele Vorgaben eingeengt fühlt, am ehesten liegen.
Skizzen und Zeichnungen liegen in Kelsners Wohnung in Hülle und Fülle herum; sicher einige tausend. Ideen gibt es genug, doch die Flut der Phantasie muß erst gebändigt werden. So stehen zahlreiche Skizzen am Anfang eines Temperabildes, dem die meisten Romankäufer dann nicht die darinsteckende Arbeit ansehen. »Vorlagen sind tödlich für meine Phantasie«, sagt der Künstler, also wird das meiste frei gezeichnet. Perspektiven der Raumschiffe und der Planeten stimmen, handwerklich ist die Grafik Kelsners astrein, da stimmt alles. »Ich muß doch als Science Fiction-Maler wissen, wie ein Pferd galoppiert, wie eine Echse aussieht, wie ein muskulöser Körper aufgebaut ist.«
»Eine Szene, die sich in meinen Arbeiten wiederholt, sind scheinbar in der Unendlichkeit des Universums verlorene Menschen«, äußerte sich der Künstler in einem Artikel, den er für die ATLAN-Serie schrieb. In der Tat lassen sich in seinen Arbeiten immer wieder sehr ähnliche Motive finden: Sei es das Raumschiff im Anflug auf die Planetenoberfläche, sei es der Mensch, dessen Gesicht stark im Vordergrund vor einer futuristischen Weltraum-Szene steht, oder Menschen, die angesichts der Unendlichkeit fast niedergedrückt wirken.
Häufig tauchen auf seinen Bildern Kinder auf. Mit großen Augen schauen sie offensichtlich in eine Zukunft, die ihnen selbst fremd ist; erblicken sie eine Unendlichkeit, die nicht einmal Erwachsene richtig einkalkulieren können. Auch hier, so scheint es, setzt der Künstler seine Weltsicht um.
Bei den PERRY RHODAN-Titelbildern verwendet Kelsner allerdings sehr häufig optimistische Motive. Helle, leuchtende Farben zeigen frische Planeten und ein Universum, das fasziniert und zur Besichtigung einlädt. In seinen Bildern, die er außerhalb des PERRY RHODAN-Kosmos produziert, kippt die Betrachtungsweise oft um: Kelsner zeigt sich hier als Mensch, der durchaus pessimistisch denken kann. »Dem Betrachter soll der Verfall der wirklichen Welt vor Augen geführt werden«, gab er in einem Interview mit der Lokalzeitung für Bünde zur Auskunft.
Immer wieder blinzelt in seinen Werken außerhalb der PERRY RHODAN-Serie seine persönliche Weltsicht durch: »Das alltägliche Lebenläßt sich in meinen Bildern symbolisch nacherleben« - so Kelsner über seine Illustrationen. Oft haben die von ihm dargestellten Menschen (und Außerirdischen) starre Mienen, oft wirken sie, als seien sie schon an sich und am sie umgebenden Universum verzweifelt. Und oft kann der Leser und Betrachter in den Figuren Kelsners den Künstler selbst wiedererkennen - vor allem bei den Grafiken.
Fans seiner Werke hat Alfred Kelsner genug. Als er im Jahre 1995 bei den PERRY RHODAN-Tagen in Sinzig einige seiner Originale ausstellte, waren zahlreiche Besucher völlig erstaunt. Im Original wirken seine Bilder häufig wesentlich lebendiger und frischer als in der abgedruckten Version. Kein Wunder bei dem Format: Kelsners Bilder kommen oft in Größen von 50 auf 70 Zentimetern im Verlag an - das ist vergleichsweise groß und wohl nur mit seiner Maltechnik zu schaffen.
Kelsners Talent und Können, Visionen einer möglichen Zukunft in Bilder umzusetzen, die zeitweise fast wie moderne Fotografien wirken, ist hierzulande höchst selten. Daß er nach wie vor außerhalb der Science Fiction-Szene so gut wie unbekannt ist und auch innerhalb der Szene von manchen angefeindet wird, ist ein ärgerliches Manko. Zu erwarten ist jedoch, daß sich Alfred Kelsner mit weiteren Auftragsarbeiten und weiteren Ausstellungen langfristig eine eigenständige Perspektive auf dem Kunstmarkt sichern kann.
Der Text stammt von Volker Nübel und wurde im »Großen PERRY RHODAN-Fanbuch« veröffentlicht.

