Die Redaktion empfiehlt: »Blutprinzessin« von Max Cabanes / Jean-Patrick Manchette

15.02.2013 08:19

Packender Krimi-Comic im »Noir«-Stil

Das Jahr 1950, mitten im Kalten Krieg, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: In einem Haus am Strand von Florida kommt es zu einem undurchsichtigen Kampf zwischen bewaffneten Männern. Es gibt mehrere Tote, und am Ende verschwindet unter anderem Alba Black, ein Mädchen, das kurz zuvor entführt worden ist.

So knallig beginnt der Comic »Blutprinzessin«. Er ist im Verlag Schreiber & Leser erschienen, und ich fand ihn sowohl spannend als auch komplex. Nach der Eröffnung in den Vereinigten Staaten springt die Handlung durch Zeiten und Räume – ins Jahr 1956 und dann zuerst nach Nordfrankreich und Kuba, später wieder zurück in die Vergangenheit. Jetzt steht die Journalistin Ivory Pearl im Zentrum des Geschehens, die einen Urlaub auf der Insel Kuba verbringt.

Amerikanische und französische Geheimdienstler,»Blutprinzessin« von Max Cabanes / Jean-Patrick Manchette Waffenschmuggler und mächtige Wirtschaftsbosse, eine junge Journalistin und ein im Urwald verstecktes Mädchen: Die Geschichte in »Blutprinzessin« beginnt mit mehreren Erzählebenen und wird bis zum Ende nicht einfacher, fesselt aber durchgehend. Nachdem ich mit der Lektüre fertig geworden war, blätterte ich den Band gleich noch einmal durch.

Grundlage des spannenden Comics ist ein Thriller, der nie vollendet wurde. Der französische Schriftsteller Jean-Patrick Manchette, der bereits 1995 starb, hatte »Blutprinzessin« nur zur Hälfte vollendet. Ein Jahr nach seinem Tod erschien eine Romanfassung, die aus der Hälfte der Handlung sowie den Notizen des Autors bestand. Doug Headline, sein Sohn, hatte diese Zusammenstellung veröffentlicht, und sie diente nun als Grundlage für den Comic.

Die Roman gilt als verschachtelt und kompliziert, die Comic-Fassung muss dieser Struktur zumindest streckenweise folgen. Für seine Adaption wurde der Zeichner Max Cabanes 2010 mit dem Prix Polar‘Encontre ausgezeichnet.

Cabanes löst die Aufgabe, den komplexen Thriller in eine packende Comic-Geschichte umzuwandeln, mit Bravour. Er stellt die Figuren in brillanter Realitätsnähe dar, sowohl in den Dialogen als auch in der Action. Hintergründe gestaltet er ebenfalls sehr realitätsnah: das Berlin der Nachkriegszeit, der Urwald in Kuba, die Einrichtung irgendwelcher Büros – es scheint so, als ob Cabanes buchstäblich alles aufs Papier bringen könnte.

Bei den Farben bleibt er oft eher gedämpft: Wo amerikanische Comics manchmal fast grell wirken, hält er sich zurück. Dasselbe gilt für Großflächen, die Cabanes meidet. Stattdessen stellt er mehrere Bilder auf eine Seite, erzählt mit Schnitt und Gegenschnitt immer sehr filmisch und treibt so die Handlung des Thrillers rasant vorwärts. Das macht er meiner Ansicht nach auf einem sehr hohen Niveau – dieser Comic hat seinen Preis auf jeden Fall verdient.

Phantastische Elemente findet der Leser nicht, hier herrscht die blanke Realität vor. Kein Wunder: Der Autor wollte einen möglichst klaren »Noir«-Krimi schaffen, der Politik und Intrigen ins Zentrum rückt, und der Zeichner übernimmt diese Vorgabe meisterhaft.

»Blutprinzessin« ist schlichtweg brillant: ein toll gemachtes Comic-Buch, bei dem eine spannende Geschichte und eine hervorragende Grafik durch eine sehr gute Übersetzung ergänzt werden. Sehr schön!

»Blutprinzessin« erschien als farbig gedruckter Hardcover-Band im Format eines Comic-Buches; die 160 Seiten kosten 24,80 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-941239-75-3 gibt es den Band überall im Buchhandel, auch über Versender wie amazon.de oder direkt über den Shop des Verlages. Auf der Verlags-Homepage gibt es übrigens auch eine kostenlose Leseprobe.

 

Klaus N. Frick

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