Die Redaktion empfiehlt: »Die Gejagten« von Lee Child

19.04.2017 08:00 von vpm

Jack Reacher ermittelt im Armee-Sumpf

Der amerikanische Autor Lee Child wurde vor allem durch seine Serie um Jack Reacher bekannt. Reacher ist als ehemaliger Militärpolizist ein eisenharter Kerl, der allein durch die Vereinigten Staaten reist: Er fährt mit dem Bus, ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet und will sich eigentlich aus allem heraushalten. Doch er kann nichts daran ändern, dass er immer wieder in Probleme hineingezogen wird.

Seine Fans lieben den Autor weltweit für diese Figur und die dazu gehörenden Romane. Mittlerweile gibt es sogar zwei erfolgreiche Kinoverfilmungen, in denen die kompromisslose Handlung recht gut umgesetzt wird. Ich mag die Serie ebenfalls und las zuletzt den Thriller »Die Gejagten«.

Dessen Story ist recht schnell erzählt: Auf seiner Reise durch die Vereinigten Staaten kommt Jack Reacher nach Virginia. Er möchte die Einheit der Militärpolizei besuchen, die er vor Jahren selbst geleitet hat. Recht schnell merkt er, dass etwas nicht stimmt: Seine Nachfolgerin im Amt, die er eigentlich besuchen wollte, sitzt im Gefängnis. Der Mann, der seinen ehemaligen Posten innehat, verpflichtet ihn zum Zwangsdienst. Und eine Gruppe von gewalttätigen Männern macht ihm sehr eindeutig klar, dass man es gern sähe, wenn er die Gegend rasch verlassen würde.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/Die_Gejagten.jpgReacher bleibt selbstverständlich vor Ort und beginnt auf eigene Faust damit, nach den Hintergründen für die merkwürdige Situation zu forschen. Dabei bricht er eine Reihe von amerikanischen Gesetzen und ist innerhalb kürzester Zeit auf der Flucht vor den Behörden. Dabei hat er nichts anderes im Sinn, als eine Verschwörung innerhalb des Militärs aufzudecken ...

Seien wir ehrlich: Die Handlung dieses Romans ist übersichtlich und überschaubar. Anspruchsvolle Literatur ist das nicht, der Autor bleibt stilistisch immer auf einer recht flachen Ebene. Aber wie er das macht, ist auch in diesem Roman sensationell: Schnelle Dialoge treiben die Geschichten voran, die Action ist brutal, aber glaubhaft, bei Beschreibungen bleibt der Autor knapp und präzise.

Ich finde es stets faszinierend, wie Lee Child seine Charaktere gegeneinander stellt, wie die Szenen wechseln und wie die Handlung immer schneller nach vorne drängt. Als Leser bleibt einem wenig Zeit, kritische Fragen zu stellen – also liest man weiter, weil man unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte ausgeht. Es leuchtet ein, dass es Menschen gibt, die mit dieser Art von Thrillern nur wenig anfangen können; die manchmal recht patriotische Weltsicht des Helden ist ebenfalls nicht jedermanns Sache. Aber lässt man sich darauf ein, bekommt man eine knallige Thriller-Dosis serviert, die zumindest mich wieder einmal gepackt hat.

Auffallend bei diesem Roman ist der geringe »Bodycount«, den Jack Reacher diesmal erzielt. Im Vorgängerroman »Der Anhalter« gibt es richtig viele Tote, in diesem Band bleiben am Ende nur einige Verletzte und wenige Tote übrig. Man könnte meinen, der Autor hätte eine gewisse Furcht davor, ausgerechnet im Milieu der amerikanischen Armee zu viele seiner literarischen Blutbäder anzuzetteln.
Großartig ist übrigens noch eines: Man kann diesen Roman ohne jegliche Vorkenntnisse der gesamten Serie lesen. Wer Jack Reacher ist und was er kann, wird einem gleich vor Augen geführt; alles Weitere ergibt sich aus der rasanten Handlung. »Die Gejagten« ist ein Beispiel für einen Serienroman, der keinerlei Vorkenntnisse verlangt.

Ich habe die Hardcover-Ausgabe gelesen, die – schick mit Schutzumschag – im Blanvalet-Verlag erschienen ist. Der 448 Seiten starke Roman ist mithilfe der ISBN 978-3-7645-0542-4 überall im Buchhandel erhältlich, auch bei Versendern wie Amazon; er kostet 19,99 Euro.

Selbstverständlich gibt es das Werk auch als E-Book; dieses kostet 15,99 Euro. Das Taschenbuch wird bereits im Mai 2017 bei Blanvalet erscheinen; es wird 9,99 Euro kosten. Darüber hinaus gibt es eine Hörbuchfassung, die von Michael Schwarzmeier gelesen wird; über ihre Qualität kann ich leider nichts sagen.

Klaus N. Frick

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