Die Redaktion empfiehlt: »Jessica Blandy 1« von Jean Dufaux / Renaud

11.09.2013 08:19 von vpm

Cooler Krimi-Comic, zugleich moderner Klassiker

Eine Schriftstellerin als Comic-Heldin – das ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher war das in den 80er-Jahren, als das erste Comic-Abenteuer von »Jessica Blandy« erschien. Die 24 Bände umfassende Serie wird mittlerweile in einer wunderschönen Gesamtausgabe im Verlag Schreiber & Leser veröffentlicht; ich habe endlich den ersten Band gelesen.
Bisher liegen sechs Bände vor, die weiteren kommen peu à peu. Grund genug also, den ersten Band zu besprechen, auch wenn er schon seit drei Jahren vorliegt ...

Als die Serie in den frühen 90er-Jahren schon mal hierzulande startete, verpasste ich den Auftritt komplett. Das ist wohl besser so – denn die neue Ausgabe setzt Maßstäbe: schön gestaltet, mit redaktionellen Texten und schickem Lettering.
Im ersten Band der Gesamtausgabe sind die ersten drei »Jessica Blandy«-Geschichten enthalten. Die Serie steckte da noch in ihren Anfängen, es gibt also einige Schwächen – aber der Band packte mich trotzdem.

Die Abenteuer spielen in den USA der 80er-Jahre, Jessica Blandy - Bd. 1als Heldin tritt eine Journalistin und Schriftstellerin namens Jessica Blandy auf. Die Dame sieht gut aus, sie ist sehr clever, und sie hat ein Talent darin, wieder in ungewöhnliche Fälle verwickelt zu werden. Dabei hat sie es mit durchtriebenen Politikern, fiesen Killern und ungewöhnlichen Frauen zu tun. Hinter der bürgerlichen Fassade, die die meisten Figuren zeigen, lauert oftmals das Verbrechen, zeigen sich Drogenkonsum und Perversion.

Jean Dufaux, der Autor der Serie, hat im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte zahlreiche Comics getextet: historische Stoffe, Krimis, Phantastik. Der Mann weiß, wie man Geschichten erzählt, und er hat eine Vorliebe für schnelle Geschichten, die überschaubare Action mit Spannung und guten Dialogen verbinden. Das zeigen schon die frühen »Jessica Blandy«-Geschichten.

Seine Heldin ist eine coole Frau, die selbstbewusst auftritt. Zwar begeht sie den einen oder anderen Fehler, aber sie braucht keinen männlichen Beschützer oder sonstwie einen Mann an ihrer Seite. Im Comic der 80er-Jahre war das vergleichsweise neu, während es eigenständige Krimi-Heldinnen im gedruckten Roman oder im Kino zu der Zeit schon gab. Im Jahr 2013 wirken die frühen »Jessica Blandy«-Abenteuer naturgemäß nicht mehr so modern; gut und spannend erzählt sind sie trotzdem.

Der Zeichner setzt seine Heldin immer wieder so geschickt in Szene, dass eine Prise Erotik zu sehen ist: viel Haut, gelegentlich eine laszive Körperhaltung, ebenso gelegentlich die Brüste. Nie aber wird es »too much«, die Serie deutet viel an, zeigt aber nicht viel. Renaud hat's aber drauf, realitätsnahe Szenen zu schaffen: Räumlichkeiten, Landschaften, Gesichter, gut aussehende Frauen – das alles wirkt wie ein gelungener Film, der die 80er-Jahre abbildet. Da passen die Frisuren und die Kleidung, die Autos und die Wohnungseinrichtung – klasse!

Wer Krimis und Comics mag, sollte die Reihe antesten. Auf der Internet-Seite des Verlages gibt es einige weitere Informationen – ein Blick lohnt sich. Mithilfe der ISBN 978-3-941239-29-6 kann das 160 Seiten starke Buch überall im Comic- und Buchhandel bestellt werden; selbstverständlich können es auch Versender wie amazon.de liefern.

Klaus N. Frick

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