Alte Zeiten und eine Kolumnenserie

09.08.2017 08:00

Eine Kolumne von Falk-Ingo Klee

Neben famosen Ideen und guten Exposés (um nur mal einige Zutaten zu nennen), machen ganz sicher die unterschiedlichen Vorlieben und Stärken der Autoren den besonderen Reiz von PERRY RHODAN, den Miniserien und der früheren Schwesterserie ATLAN aus. Immer wieder werden dabei auch Typen und Figuren erschaffen, denen eigentlich vom Exposé her nur eine Nebenrolle oder ein Statistendasein beschieden ist. Andere haben in ein, zwei Romanen einen großen Auftritt und verschwinden dann wieder aus der Handlung.

Sollten verschwinden ... Denn es kam und kommt wohl auch immer wieder vor, dass ein Autor diese Gestalten so prall mit Macken und Leben zugleich erfüllt, dass sie das Herz von Lesern und Expo-Machern erobern. Ich erinnere da nur an Dalaimoc Rorvic und Tatcher a Hainu, die H. G. Ewers in seinen PERRY RHODAN-Romanen so unnachahmlich zu schildern wusste. Bei mir war es in der ATLAN-Serie das Gespann Hage Nockemann und Blödel, das in Erinnerung geblieben ist.

Der SOL-Zyklus ab ATLAN 500 ging – wie konnte es anders sein – auf eine Idee des unvergessenen William Voltz zurück, wobei WiVo, wie er allgemein genannt wurde, auch die ersten Exposés schrieb. Dann übernahm Marianne Sydow diesen Job, und Ende der 520er Bände war Peter Griese für die Exposés zuständig. Dass er durchaus Sinn für Humor hatte, bewies er, als er in einem für mich bestimmten Roman im Exposé Hage Nockemann als einen kauzigen Wissenschaftler und seine mobile Laborpositronik als eine Art wandelndes Ofenrohr mit einem grünen Plastikschnurrbart skizierte.

Aus dem bärtigen Ofenrohr machte ich dann »Blödel«, wobei mir klar war, dass dem skurrilen Duo Nockemann/Blödel nur ein kurzes Serienleben beschieden war, bevor es wieder in der Versenkung und damit aus der Handlung verschwinden sollte. Sie waren, wie man heute sagen würde, ein »Tool«, ein Werkzeug oder Mittel zum Zweck. Wie wir wissen, kam es anders. Ob das ursprünglich so geplant war, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass Peter Griese an den beiden Streithähnen Gefallen gefunden hat und sie deshalb immer wieder in die Handlung einbaute, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Leser sie mochten.

Das Pensum, das Peter sich aufgeladen hatte, war eigentlich nur zu schaffen, wenn der Tag 48 Stunden hatte. Er konzipierte nicht nur die ATLAN-Exposés bis weit in die 800er ATLAN-Bände hinein, erarbeitete also die Basis für über 300 spannende Abenteuer, sondern schrieb selbst noch Romane. Nicht nur für ATLAN, sondern parallel für PERRY RHODAN und PR-Planetenromane. Zudem betreute er die Leserseite bei ATLAN und schrieb die Artikel der Rubrik »Atlans Extrasinn«.

Peter hatte durchaus Humor, manchmal saß ihm der Schalk regelrecht im Nacken. So wohl auch, als er auf der LKS von ATLAN 598 eine Leserfrage erhielt, angeblich bei mir rückfragte und dann die nicht ganz bierernste Antwort gab, dass ich »Blödel« die Typenbezeichnung »SO-LA-RO-420001-Spez-X/£$-**°« gegeben hätte. Wie ich vor einiger Zeit in der »Perrypedia« las, hat diese Information sogar dort Eingang gefunden.

Da die »Perrypedia« ein ernstzunehmendes Nachschlagewerk ist, fühle ich mich zur Richtigstellung verpflichtet. Die Wahrheit ist: Peter Griese fragte nie bei mir nach, und ich sah nie die Notwendigkeit, »Blödel« eine solche Typenbezeichnung geben zu müssen, erst recht keine, die im 38. oder 39.

Jahrhundert auf irdische Währungskürzel zurückgriff, also Zeichen, die kein Mensch mehr kannte, verstand oder wiedergeben konnte. Zur Verdeutlichung ein kleiner Mitmachtest für jeden, der einen PC sein eigen nennt. Einfach bei der Tastaturwahl unter »Spracheinstellungen« anstatt »Deutsch« »Germanisch« einstellen und dann in Runen »Blödel« schreiben ...

In den 1970er-Jahren keimte in mir der Wunsch, Science Fiction nicht nur einfach passiv als Leser von PERRY RHODAN und der Reihe TERRA ASTRA mitzuerleben, sondern selbst Zukunftsromane zu schreiben. Das war leichter gesagt als getan, aber irgendwann klappte es, und mein Debütroman »Das neue Leben« erschien in der Reihe TERRA ASTRA.

(Etwa zeitgleich mit mir starteten Hubert Haensel und Wolfgang Kehl unter seinem Pseudonym Arndt Ellmer ihre Schriftstellerkarriere bei TERRA ASTRA. Schön, dass die beiden immer noch aktiv sind!)

Auf diese Zeit möchte ich im Rahmen meiner Kolumnen einen Blick zurückwerfen. Viele haben sie ja so wie ich ganz bewusst als Erwachsene und damit als Alltag erlebt, andere als Kinder und Jugendliche, viele aber kennen sie gar nicht. Also: Wer Lust verspürt, mich in die Vergangenheit zu begleiten, ist herzlich willkommen.

Also: Entspannen, zurücklehnen – und los geht’s zurück in die 1970er Jahre. Damals, als die berühmt-berüchtigten Schlaghosen Mode waren, deren Hosenbeine so breit ausgestellt waren, dass die weiten Zimmermannshosen dagegen wie enge Röhrenjeans wirkten ...

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