Der Atomkrieg findet nicht statt! – Teil zwei

14.02.2017 06:30

Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer zur Kurzgeschichte in Band 11 der Platin Edition

Rüdiger Schäfer

Ich stelle mir bei solchen Gelegenheiten stets vor, was ich tun würde, wenn ich in der Rolle meines Protagonisten wäre. Ich saß also gedanklich irgendwo in einem subplanetaren Depot, das bis zum Rand mit arkonidischer Supertechnik vollgestopft war.

Siron befand sich ungefähr auf dem technischen Niveau der Erde in den 1950er Jahren. Außerdem handelte es sich um eine Wüstenwelt; Wasser war also sehr knapp. Wie würde ich die Sache angehen? Wie konnte ich meine Landsleute davon überzeugen, all den Hass, all die Vorurteile und Feindschaften zu vergessen und gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten?

Dabei wandte Klaus in seinen Kommentaren zurecht ein, dass das Ganze auf keinen Fall oberlehrerhaft rüberkommen durfte. Außerdem musste Spannung in die Geschichte. Es mussten Komplikationen auftreten. Und natürlich brauchte ich ein halbwegs originelles und überraschendes Ende. Irgendwie kam mir das Verfassen der regulären NEO-Romane plötzlich um einiges einfacher vor. Dort hatte ich immer so wunderbar viel  Platz …

Kurz darauf stand eines der mehr oder weniger regelmäßigen Treffen mit meinem Freund und NEO-Mit-Expokraten Michael H. Buchholz an. Den hatte ich schon vorgewarnt. In einer Mail von Mitte November 2016 schrieb ich: »Übrigens: Da ich arbeitstechnisch ja noch nicht ausgelastet bin, habe ich die Bonus-Kurzgeschichte für Band 11 der NEO-Hardcover übernommen. Da ist mein erster NEO (44) abgedruckt, den ich sozusagen fortsetzen werde. Ich melde mich diesbezüglich nochmal bei Dir, wenn ich das Grundkonzept habe – zwecks kritischer Überprüfung und Kommentierung. Ich habe aber nur 60.000 Anschläge zur Verfügung!«

Während unseres Treffens, bei dem wir unter anderem die Details der Bände ab NEO 145 besprachen, lieferte mir Michael tatsächlich eine tolle Idee für den Einstieg, nämlich jene Aktion, mit der Angech Anatarawan zu Beginn der Geschichte seine Landsleute von seinen Plänen zu überzeugen versucht. Das Ende entstammte dann wieder meinem Hirn, garniert mit einem schönen Vorschlag von Klaus N. Frick, was die Art der Erzählweise betraf. Ein perfektes Beispiel dafür, wie sich eine vage Vorstellung im Dialog mehrerer kreativer Köpfe zu einem fertigen Konzept entwickelt. Nun musste ich das alles »nur noch« schreiben …

Ich fing in der vorletzten Novemberwoche an und war acht Tage später tatsächlich fertig. Das Exposé für NEO 145 übrigens auch, so dass ich nahtlos mit der Schreiberei weitermachen konnte. In den Pausen (meistens auf den Busfahrten zur und von der Arbeit nach Hause) las ich das mit etwas Verspätung eingetroffene Manuskript von NEO 139 – ein weiteres Meisterwerk von Kai Hirdt (und das meine ich keineswegs ironisch).

In der Folge mussten wie üblich einige Anpassungen eingearbeitet werden – sowohl in Kais Texte, als auch in meinen 140er, damit die Anschlüsse funktionierten und der Staffelabschluss so richtig rund wurde.

Aber so ist sie nun einmal, die Exposéarbeit. Man bewegt sich praktisch ständig in mindestens zwei Staffeln gleichzeitig, muss immer wieder umschalten und sich in der Zeit vor- und zurückbewegen. Manchmal ist das alles andere als einfach, und sowohl Michael als auch ich sind heilfroh, dass wir mit Dieter Schmidt als Lektor eine finale Kontrollinstanz in der Hinterhand haben, die uns zwar jedes Mal lange Fragenkataloge beschert, die aber auch dafür sorgt, dass die Romane am Ende so fehlerfrei wie nur menschenmöglich sind!
Trotz der zusätzlichen Arbeit habe ich die Möglichkeit, einen meiner alten Romane noch einmal aufzugreifen und quasi abzuschließen, aber genossen. Es war eine neue und interessante Erfahrung.

Die Reaktion von Klaus N. Frick auf meine Story kam wenige Tage später – und sie fiel zu meiner Erleichterung positiv aus. »Die Geschichte ist einfühlsam und mitreißend, traurig und optimistisch«, schrieb der PR-Chefredakteur. »Mir hat sie sehr gut gefallen, und ich finde, sie rundet dann auch das Buch sehr gut ab.«

Damit bleibt mir nur noch zu hoffen, dass das die Leser genauso empfinden.

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