»Ich würde es jederzeit wieder tun« – Teil zwei

14.06.2017 08:00

Ein Interview mit Dietmar Schmidt zu seinem Roman für PERRY RHODAN-Terminus

Mit »Im Sonnenpalast« erscheint am 16. Juni 2017 der erste Roman, den Dietmar Schmidt für das PERRY RHODAN-Universum verfasst hat. Es ist der fünfte Band der Miniserie PERRY RHODAN-Terminus, zu der der Autor auch noch einen weiteren Roman beisteuern wird.

Grund genug, ein Interview mit ihm zu führen. Die Fragen stellte der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner, das Interview wurde per Mail geführt.

Wegen seiner Länge bringen wir es in zwei Teilen; gestern war der erste Teil dran, heute kommt der zweite.

Michael Marcus Thurner: Du hattest eine ganz, ganz tolle Figur für deinen Roman zur Verfügung. Ich rede von Alaska Saedelaere. Und zwar nur wenige Jahre nach seinem Transmitter-Unfall, der ihn dazu zwang, eine Maske aufzusetzen. Ehrlich gesagt beneide ich dich um die Möglichkeit, diesen noch blutjungen Saedelaere charakterisieren zu dürfen.

Wie bist du mit ihm zurechtgekommen, wie sehr konntest du dich mit ihm anfreunden? Wie beurteilst du diese Figur, eine der beliebtesten im PERRY RHODAN-Kosmos?

Dietmar Schmidt: Alaska ist für meinen Geschmack eine der großartigsten Figuren der ganzen Serie. Er personifiziert den vielbeschworenen »Sense of Wonder«, den man in epischer SF findet und genießt. Ich könnte jetzt von Zeitbrunnen und Anzügen der Vernichtung schwärmen, aber mit dem kosmischen Menschen Alaska Saedelaere haben wir bei PERRY RHODAN-Terminus gar nichts zu tun. Na ja, eine Anspielung habe ich untergebracht.

Wie du schon sagst, Saedelaere ist jung, gerade 30, und seine großen Erlebnisse stehen ihm noch bevor. Er hat zwei Jahre zuvor einen furchtbaren Unfall erlitten und ist durch die Maske, die er tragen muss, von der ganzen restlichen Menschheit getrennt. Ein Außenseiter beißt sich durch – das hat mich als Teenager sehr angesprochen, und jetzt darauf zurückgreifen zu dürfen, war für mich eine sehr emotionale Erfahrung. Das hat mich überrascht.

Michael Marcus Thurner: PERRY RHODAN-Terminus setzt vor Beginn des Cappins-Zyklus (Band 400 bis 499) an. Man siezt sich, es gibt zackige militärische Umgangsformen, Strukturen und Hierarchien sind viel straffer … Täuscht mich der Eindruck, oder hattet ihr Autoren so richtig großen Spaß damit, die »guten, alten Zeiten« mal wieder aufleben zu lassen?

Dietmar Schmidt: Die Miniserie spielt zwischen Band 400 und 401. Als ich PERRY RHODAN zu lesen begann, erschienen diese Hefte gerade in der 3. Auflage. Für mich ist dieser Anfang als Autor also eine Rückkehr zu meinen Anfängen als Leser, und der Retro-Aspekt hat mir großen Spaß gemacht. Waring-Konverter, das ATG-Feld, die Temporalschleuse … als ich Jugendlicher war, hat all das auf mich einen großen Reiz ausgeübt, und jetzt darf ich selbst darüber schreiben. Was will man mehr? So ein Erstlingsroman ist vielleicht auch immer Hommage. Unter den klassischen Autoren sind William Voltz und K. H. Scheer meine Lieblinge, und ich habe mich gefreut, dass ich Aspekte von beiden im »Sonnenpalast« unterbringen konnte.

Was das Militärische angeht, habe ich mich damit schon für etliche Übersetzungen befassen müssen, und in meinem Roman habe ich es durchaus in den Vordergrund gestellt. Für mich ist auch das eine fremde Welt, die ich wegen meiner starken Kurzsichtigkeit selbst nie erlebt habe. Als Ungedienter kann ich mit dem Militär vielleicht unbefangener umgehen als jemand, der seine achtzehn Monate Wehrpflicht ableisten musste. Ich war übrigens ganz überrascht, dass in den alten Heften sogar Alaska Saedelaere einen militärischen Dienstgrad hatte.

Michael Marcus Thurner: Musstest du bei der Arbeit viel recherchieren und Romane nachlesen, oder hattest du Band 400ff noch gut genug im Kopf?

Dietmar Schmidt: Leider nein. Ich wusste natürlich noch, wer Dabrifa war oder was unter einem ATG-Feld zu verstehen ist, aber die Einzelheiten waren doch vergessen. In Herbst und Winter habe ich deshalb ziemlich viel aus dem Cappins- und dem Schwarm-Zyklus gelesen, dazu noch Taschenbücher; Robert Feldhoff hat zwei Romane geschrieben, die im Imperium Dabrifa spielten. Zum Glück gibt es die »Zeitraffer«, und auch die Perrypedia hat sich als unschätzbar wertvoll erwiesen.

Ich habe versucht, im Roman möglichst viel von den »historischen« Dingen unterzubringen. Bei PERRY RHODAN ist mir persönlich immer auch die Kontinuität wichtig, aber gleichzeitig ist die Materialfülle so gewaltig, dass man irgendwo immer etwas übersieht. 

Michael Marcus Thurner: Ich kenne dich als sehr gewissenhaften Autor, der schon mal mehrere Stunden lang über technischen Details grübeln und nach der passenden Auflösung einer Situation suchen kann. Das ist eine immense Stärke, die aber auch rasch dazu führt, dass man sich selbst im Weg steht und zu Tode recherchiert. Wie bist du mit diesem Problem bei PERRY RHODAN-Terminus 5 umgegangen?

Dietmar Schmidt: Ja, ich weiß genau, was du meinst … Die Recherche hatte ich, wie gesagt, zum Glück schon vorher erledigt, und für technische Fragen haben wir mit Peter Dachgruber einen Experten, der unglaubliche Lösungen aus dem Ärmel schüttelt. Man muss es hier auch einmal deutlich sagen: Uwe Anton hat ein großartiges Team zusammengezogen, man hilft und unterstützt sich, das ist einfach große Klasse.
Als ich den Roman schrieb, habe ich wieder festgestellt, wie wichtig es ist, seine Figuren zu kennen – so vieles ergibt sich dann ganz natürlich und ohne dass großes Nachschlagen erforderlich wäre.

Michael Marcus Thurner: Zum Abschluss muss ich dich natürlich fragen: Wie soll es weitergehen mit deiner Karriere als Schriftsteller? Ist das ein Berufsziel, oder siehst du deine Autorentätigkeit bloß als Abwechslung/Alternative zur Übersetzertätigkeit? Gab es da nicht mal Pläne zu einer eigenen SF-Serie, die du schreiben wolltest …?

Dietmar Schmidt: Die Übersetzertätigkeit werde ich wohl nicht aufgeben, aber ich will auf jeden Fall weiter schreiben. Für »Im Sonnenpalast« habe ich eine Raumschiffbesatzung entwickelt, die auch in Band 10 eine Rolle spielt, und ich hatte zwischendurch eine Erzählung um die gleichen Figuren angefangen, für den Roman aber erst einmal unterbrochen. Mal sehen, was daraus wird.

Meine eigene SF-Serie besteht mittlerweile aus drei Romanen in unterschiedlichen Stadien des Unvollendetseins und aus einer Handvoll Kurzgeschichten, die noch einen letzten Schliff verlangen. Das ist zugunsten von PERRY RHODAN in den vergangenen acht Monaten arg ins Hintertreffen geraten. Wenn ich mir dein Blog so ansehe, geht es mir wohl ähnlich wie dir, Michael: Am besten arbeite ich, wenn der Abgabetermin droht.

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