Rainer Castor


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Er war nicht nur der Datenfachmann


Egal, ob es neue Triebwerke, Sonnensysteme oder multidimensionale Verwicklungen zu ersinnen galt – seit den 90er-Jahren war Rainer Castor stets zur Stelle. Der Autor war über Jahre hinweg der Techniker und Datenfachmann im PERRY RHODAN-Team. Er war es, der mit immer neuen technologischen Wundern die Leser verzauberte. Er war es, der fast zwanzig Jahre lang für die Stimmigkeit des PERRY RHODAN-Kosmos bürgte.

Rainer Castor wurde 1961 in Andernach am Rhein geboren. Er war ausgebildeter Baustoffprüfer, ein Studium des Bauingenieurwesens brach er nach einigen Semestern ab. Vorübergehend war er Zeitsoldat, später wurde er aber anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Schon in den 80er-Jahren widmete sich Rainer Castor seiner Leidenschaft, der Schriftstellerei. Als Leser schätzte Castor Frank Herbert (»Der Wüstenplanet«) sowie mit Abstrichen Robert A. Heinlein, aus dem PR-Umfeld waren es K. H. Scheer, Peter Terrid und Hans Kneifel.

Mitte der achtziger Jahre schloss Rainer Castor erstmals Bekanntschaft mit Hans Kneifel. Der Routinier Kneifel erkannte die Begabung Castors und machte ihn zu seinem Mitarbeiter. In den Vorworten der ATLAN-Zeitabenteuer lobte Kneifel schon früh »seinen Castor« – er schätzte die unermüdliche Datenrecherche und die sorgfältigen Berechnungen Castors.

Durch die Zusammenarbeit mit Hans Kneifel fand Castor auch zu seiner Lieblingsfigur. Der unsterbliche Atlan und die Kultur der Arkoniden mit ihrer Spannung zwischen Hightech und Feudalismus ließen ihn nicht mehr los. »Science Fiction hat den großen Vorteil, letztlich alles einbeziehen zu können, vom Krimi über die Liebesgeschichte bis hin zu Aspekten, die beispielsweise in ferner Vergangenheit spielen«, fasste Rainer Castor sein Faible für dieses Genre zusammen.

Mit dem PERRY RHODAN-Taschenbuch »Für Arkons Ehre« debütierte er 1996. Drei Jahre später folgte mit dem PERRY RHODAN-Doppelband 1973/1974 sein Einstand bei der Heftserie. Er war Autor der Arkon-Trilogie (ATLAN-Bücher 14 bis 16), wirkte maßgeblich bei der Exposéarbeit für die ATLAN-Miniserien mit und bearbeitete mit Hingabe die ATLAN-Jugendabenteuer (die ATLAN-Bücher 17 bis 45). Darüber hinaus lieferte er wöchentlich den PERRY RHODAN-Kommentar und griff den Exposéautoren bei der laufenden PERRY RHODAN-Serie hilfreich unter die Arme ...

Das Besondere an der Serie war für ihn stets, dass sie zu einem »eigenen Phänomen« geworden war: »Je länger die PERRY RHODAN-Serie lief und läuft, desto mehr stellt das durchaus eine eigene Faszination dar, unabhängig von den jeweiligen Inhalten.«

Rainer Castors schriftstellerische Arbeit beschränkte sich übrigens nicht nur auf PERRY RHODAN. 1997 erschien beim Züricher Haffmanns Verlag sein historischer Roman »Der Blutvogt«. Der NDR urteilte darüber: »ein Beweis, dass auch in Deutschland ähnlich packend historische Romane wie ›Der Medicus‹ geschrieben werden können«. Diese Veröffentlichung  bescherte dem Autor damals eine weitere »literarische Anerkennung«: Im August 1998 war er Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung im Nordkolleg Rendsburg beim »Sommerseminar für hochbegabten schriftstellerischen Nachwuchs«.

Für seine Kollegen war er ein unverzichtbarer Mitstreiter. Er half stets, wenn er gefragt wurde, lieferte nötigenfalls auch am Wochenende die nötigen Informationen zu einem aktuellen Romanprojekt und steuerte ununterbrochen seine umfangreichen Kenntnisse bei. Er war mehr als nur ein Datenlieferant, sondern sorgte dafür, dass die größte Science-Fiction-Serie der Welt in ihrer Komplexität nicht erstickte.

Rainer Castor starb am 22. September 2015 an einem Herzinfarkt. Noch einen Tag zuvor hatte er sich mit Mails und kritischen Anmerkungen an der Produktion aktueller Romane beteiligt. Die Erschütterung unter seinen Kolleginnen und Kollegen war entsprechend sehr groß.